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Jenseits von Grenzen und Zeit entfaltet sich unser Erbe. Entfessle die Kraft, erobere das Spiel der Imagination. Begleite uns auf der Suche nach einer anderen Frequenz von Wirklichkeit – einer Welt, in der Kreativität keine Grenzen kennt.


Skandalös !!! ??? Also, da muss ich doch mal dazwischen gehen

„Weihnachten: Glanz, Glaube und Glücksspiel? Eine Krippe voller Erwartungen – und ein Los, das mehr versprechen will als Erlösung.

Zwischen Glitzer, Glamour und gekreuzigten Erwartungen: Ein Fest, das sich selbst inszeniert und dabei seine Wirklichkeit vergisst.

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Für den Online-Lotterieanbieter „Lottohelden.de“ ließ sich Sophia Thomalla als Jesus am Kreuz abbilden und der Skandal war perfekt. Der Slogan dazu: „Jetzt wird Weihnachten noch schöner“. Tageszeitungen und Online-Dienste berichteten im ganzen Land aufgeregt über diese Werbe-Performance. Einschlägige christliche Gruppen auf Facebook empörten sich in heftigen Diskussionen. Entsetzte Kommentare der Kirchen blieben nicht aus.

Also, da muss ich doch mal dazwischen gehen! Was ist daran wirklich skandalös? Jesus am Kreuz ist DAS zentrale Symbol des Christentums, nicht nur zu Karfreitag. Und es hat was mit der Realität des Lebens von Jesus zu tun. Sein Leben endete nachweislich am Kreuz. Das die Ikonographie des Weihnachtsfestes mit einem Säugling in einer Futterkrippe verbunden wird, hat mit aller historischen Wahrscheinlichkeit, nichts mit der Realität zu tun. Da ist das Kreuz absolut realer.

Dass in der Werbefotografie eine Frau die Position von Jesus einnimmt ist nicht skandalös und keine Blasphemie, erinnert jedoch an einige Absurditäten des christlichen Weihnachtsfestes, die es schon seit Jahrhunderten gibt und die als hingenommene Selbstverständlichkeiten kaum zum Thema werden.

Der „Nürnberger Christkindl Markt“ wird von Beginn an von einem „Christkind“ eröffnet. Eine merkwürdige Mischung zwischen Kind und junger Frau. Es muss immer ein Mädchen sein, das diese engelsgleiche Figur darstellt. Jesus als Engel??? Was hat diese Figur mit Rauschgoldflügel und Blondlocken mit Weihnachten zu tun? Angeblich soll dieses „Christkind“ die Geschenke bringen und Wünsche erfüllen. Warum und wie soll das geschehen? Ist das Christkind nun ein Junge oder ein Mädchen? Und wenn wir davon ausgehen, dass es ein Junge ist, der noch als Säugling in einer Krippe liegt: Wie soll der Geschenke verteilen?

Spätestens seit dem 18. Jahrhundert muss Weihnachten immer ganz besonders „SCHÖN“ sein. Angestrengt schön! So angestrengt schön und harmonisch, dass sich in vielen Familien die Menschen gegenseitig die Köppe eingeschlagen (sinnbildlich und wirklich). Skandalös! Wo das Ganze doch ein Fest des Friedens sein soll. Zu keinem Fest im Jahreslauf werden so viele zwischenmenschliche Konflikte ausgetragen. Die Polizei hat an den Weihnachtsfeiertagen viel zu tun.

Glitzer und Glamour, romantischer Kerzenschein: Da ist der Werbeslogan zu dem Bild mit Sophia Thomalla – „Jetzt wird Weihnachten noch schöner“ – nicht falsch. Sie ist eine schöne Frau und wirkt in der Pose am Kreuz tatsächlich nicht gerade unattraktiv. Einige Kritiker betonten die Nacktheit von Sophia Thomalla. War Jesus am Kreuz vollständig bekleidet? Muss eine Frau in dieser Jesusposition angezogener sein? Warum?

In diesem Zusammenhang auf die – durchaus auch erotisch, masochistisch konnotierte – Leidensmystik der christlichen Kirche einzugehen, würde an dieser Stelle allerdings zu weit gehen. Doch so etwas gibt es in der christlichen Religionsgeschichte durchaus: Selbstkasteiungen und bedingungslose Akzeptanz des Leidens als Prüfung und Willen des allmächtigen Gottes. Mit Glücksgefühlen das Leiden Jesus Christie nachempfinden. Wir brauchen nur in einige Lebensbeschreibungen katholischer Heiliger zu schauen. Das Leid der Armut ertragen, weil Jesus ja auch angeblich so (gewollt) arm war. Das ist nun wirklich skandalös!

Wir alle wünschen uns ein glattgebügeltes, konfliktfreies, glitzerndes Weihnachtsfest. An die Wirklichkeit der Weihnacht möchte niemand erinnert werden. Diese Weihnachtswerbung erinnert skandalös an den Skandal des sozio-kulturellen Umgangs mit dem Weihnachtsfest. Wer von den vielen Kritikern dieser Aktion kennt denn die Wirklichkeit der biblischen Weihnachtsgeschichte tatsächlich? Eine konfliktbeladene Beziehungsgeschichte, Verfolgung, Mord und Totschlag. Eine Geschichte jenseits aller idealisierter Familienidylle, Romantik und Sentimentalität. Die Werbeaktion eines spanischen Lotterieunternehmens mit Sophia Thomalla verweist hier auf die allzu oberflächlichen Pinselstriche mit denen, fast überall auf der Welt, die Weihnachtsgeschichte ohne jeden Tiefgang in Szene gesetzt wird.

Thomas Sternberg, der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, sprach mit Bezug auf diese Performance von „geschmacklos und dumm“. Für mich sind Menschen geschmacklos und dumm, die das ganze Jahr über mit Gott und Jesus Christus nichts am Hut haben und zu Weihnachten auf einmal sentimental religiös werden oder an Heiligabend zur katholischen Kirche laufen, um den Gottesdienst wie eine Weihnachtsshow zu genießen. Sie wissen absolut nicht, was sie da tun!

Ich hörte vor ein paar Tagen bei einem amerikanischen Radiosender eine vorweihnachtliche Musik-Sendung. Zum Schluss der Sendung wünschte die Moderatorin allen Hörerinnen und Hörern ein gesegnetes Weihnachtsfest…..glückliche Ostern, frohe Pfingsten…und ein gutes neues Jahr…. (sie hatte plötzlich gemerkt, was sie daherredete, und schob lachend im Nachsatz hinterher) „und es ist ja eigentlich egal, Hauptsache es geht uns allen gut“…. Ich dachte: Was für eine dumme Person!… skandalös!

Rolf-Michael Hilkenbach / Dezember 2018

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