„Baywatch“ ist eine us-amerikanische Filmkomödie mit Actionelementen. Allein in Deutschland ca. 2 Millionen Besucher in den Kinos. Mit bisher 177.856.751 US-Dollar Umsatz, wohl einer der erfolgreichsten Kinofilme im Jahr 2017.
„Baywatch“ ist das Spielfilm-Remake einer Fernsehserie, die mittlerweile zu den Klassikern der Fernsehgeschichte gehört. Die Serie wurde in 144 Ländern ausgestrahlt und erreichte in den 90er Jahren geradezu Kultstatus. Beach-Lifestyle, flotte Musik, sexy Bademoden, Beziehungsgeschichten gemixt mit etwas Abenteuer machten die Serie zum Publikumsrenner. Der Spielfilm „Baywatch“ greift diese Elemente auf. Er ist vom Regisseur Seth Gordon gut inszeniert und verfügt über die passenden Schauspieler.
Die Geschichte ist nicht besonders komplex, aber keineswegs einfach nur Unterhaltung. Gezeigt werden Ereignisse um ein Team von Rettungsschwimmern. Die „Lifeguards“ retten aber nicht nur Menschen aus dem Wasser, sondern kümmern sich um alle möglichen Gefährdungen der Strandwelt. Stachelrochen, Haie, Drogenschmuggler und Diamantenhändler bedrohen das Sommer-Sonne-Freizeit-Idyll der Strandbesucher. Die Strandwelt bleibt von Mord und Totschlag nicht verschont. Die Rettungsschwimmer retten die Welt und werden dabei nicht selten von den Strandbesuchern beobachtet. Der Strand, eine Bühne des Lebens, wo der nötige Applaus nicht fehlt. Mitglied bei den Lifeguards werden, kommt einer Auszeichnung gleich. Der Film konzentriert sich auf diese Kernthemen und macht sich gleichzeitig auch lustig über das Schema. Die Geschichte wird mit viel ironischer Distanz ins Auge gefasst. Zitat aus dem Film: „Warum tragen an diesem Strand eigentlich alle Frauen am Bein so hoch ausgeschnittene Badeanzüge?“ Antwort der Badenixe: „Damit wir besser schwimmen können.“
Der weibliche Drogendealer ist eine mexikanische Schönheit. Sie betont: „Ich habe Zuhause das Geschäft meiner Brüder übernommen und bin nach Amerika gekommen, weil es das Land der unbegrenzten Möglichkeiten ist“. Eine allzu realistische Befürchtung vieler US-Amerikaner, die gerne eine Mauer Richtung Mexiko errichten wollen.
Trotz der (oft irrationalen) Phantasie des Drehbuchs, gab es ursprünglich eine reale Grundlage der Storyline: Der „Los Angeles County Lifeguard Service“ an der Küste von San Pedro. Er ist mit 132 Festangestellten, und in der Saison mit ca. 650 angestellten Rettungsschwimmern, der größte Rettungsschwimmerdienst der Welt.
Der Strand ist im Film eine Art Sonderwelt, mit eigenen Werten, Regeln und Initiationsriten für die verantwortlichen Lebensretter. „Mitch“ ist der charismatische Anführer/Leiter des Rettungsschwimmerteams, der seine Prinzipien jedem Lifeguard-Bewerber sofort klarmacht. Menschen, die nur für sich selbst existieren wollen, sind für den Job ungeeignet. Teamgeist und das Wissen darum, das man Mitglied einer Familie ist, sei das Entscheidende. Was die Bewerber in einem Vorleben als Qualifikationen erworben haben ist dafür relativ unbedeutend, der Wille zur Aufgabe und die innere Einstellung sind wichtiger. Die Neuen beim Rettungs-Training machen das deutlich: eine Meeresbiologin, ein übergewichtiger Computer-Nerd und ein Goldmedaillengewinner im Schwimmen. Alle müssen sich zuerst in einem Trainee-Programm bewähren, bevor ihnen die nötige Reife von Mitch zuerkannt wird.
Speziell am „Schwimmmeister“ wird das besonders vorgeführt. Er ist eine Sportskanone, hat aber Charakterschwächen und einen ungeordneten Lebenswandelt. Die Schule von Baywatch, nicht zuletzt das Vorbild von Mitch, macht ihn zum gereiften Menschen. Der „Schwimmmeister“ wird in einem Interview gefragt ob er ein Egozentriker sei. Antwort: „Nein, ich bin nur Amerikaner“. Satire und Realität in der Ära Trump gleichzeitig?
So oberflächlich die Geschichte von „Baywatch“ erscheinen mag, so intensiv thematisiert sie doch auch Grundprinzipien der US-amerikanischen Gesellschaft. Es geht um die Verantwortung des Einzelnen für das Große und Ganze, die auch gegen Widerstände durchgesetzt werden soll (in der Fernsehserie kümmern sich die Rettungsschwimmer häufig um Kinder, alte und behinderte Menschen).
Wie in der Fernsehserie spielen im Kinofilm „Baywatch“ natürlich Sex und Erotik eine wichtige Rolle, aber auch hier mit Witz und Ironie in Szene gesetzt. Der ziemlich verklemmte Umgang mit Sex in der amerikanischen Öffentlichkeit wird pointiert auf die Spitze getrieben. Es wird ständig über Sex geredet, zu sehen ist aber nichts. Auch das, typisch amerikanisch. Erst im „Leichenkeller“ eines Krankenhauses wird der Körperkontakt (unangenehm) enger. Jetzt darf auch mal – ganz unerotisch – an einem Schwanz herumgefummelt werden.
Die zwei herausragenden Stars der vergangenen Fernsehserie müssen selbstverständlich ebenfalls ihre Kurzauftritte haben. David Hasselhoff erscheint als ehemaliger Mentor von „Mitch“ und es wird sofort deutlich, er kann Dwayne Johnson (dem neuen „Mitch“) nicht das Wasser reichen, seine Zeit ist vorbei. Zum Schluss des Films erscheint auch Pamela Anderson. In Slow Motion schreitet sie auf High Heels in einem hautengen weißen Hosenanzug, mit wehenden blonden Haaren auf einem Bootssteg entlang….und man versteht sofort welche Wirkung diese Frau auf Männer hatte und sicher immer noch hat.
Rolf-Michael Hilkenbach

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