Sie war Winnetous große Liebe und galt als eine der schönsten Frauen des deutschen Films. KARIN DOR verstarb am Montag, den 6. November 2017 im Alter von 79 Jahren.
Fast alle großen Tageszeitungen titelten aus Anlass ihres Todes: „Das einzige und letzte deutsche Bond-Girl“. Ein Aspekt ihrer Karriere, der anscheinend ganz besonders in Erinnerung geblieben ist.
Karin Dor war der letzte wirkliche weibliche Filmstar, den der deutsche Kinofilm in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts hervorbrachte. Sie war eine gute Schauspielerin mit ausdrucksstarker Stimme, die beim Publikum große Sympathien weckte. Das große Drama oder der schwierige Charakter waren nicht ihre Sache. Ihr Rollenfach im deutschen Film war „das süße Mädel“ und die „verfolgte Unschuld“. In ihrer Außenwirkung war sie gleichzeitig zeitgemäß jugendlich, modern und elegant. Nicht schwierig, nicht kompliziert, ganz gegenwärtig und vor allem frisch, sauber. Auf alle Fälle nicht aufmüpfig, unangepasst wie Teile der immer rebellischer werdende Nachkriegsjugend. Das ließ die unangenehme Vergangenheit und den Schmutz der Nachkriegsära vergessen. Das mochten die Nachkriegsdeutschen. Als „verfolgte Unschuld“, die mit einer dämonischen, schrecklichen Vergangenheit nichts zu tun hat, fühlten sich auch viele Deutsche. So wurde Karin Dor zu einer der populärsten Darstellerinnen im deutschen Genre-Film der 60er Jahre: Karl-May-Filme, Edgar-Wallace-Filme, Schlager- und Heimatfilme.
Die große Bühne bekam sie im Jahr 1967. Ihr gelang etwas, das bisher in der Nachkriegszeit keiner deutschen Schauspielerin gelungen war. Karin Dor bekam eine wichtige Rolle in einem international sehr erfolgreichen und sehr aufwendig inszenierten Filmformat: „James Bond 007 – Du lebst nur zweimal“. Bezeichnend ihr Bericht zu diesem Ereignis: Sie sollte im Film Englisch sprechen, mit einem deutschen Akzent. Den Akzent hatte ihr allerdings eine gute Englischlehrerin schon während der Schulzeit ausgetrieben. Karin Dor erfüllte nicht mehr ohne weiteres das Klischee einer Deutschen. Sie spielte in dem Film eine deutsche Agentin, aber mit mondäner Internationalität. Das typisch deutsche war ausgemerzt. Und sie bekam die höchste Gage, die je eine Schauspielerin in einem Bond-Film bekommen hatte. Durchsetzungsvermögen, Wertschätzung, Gefragt-Sein zeigten sich in dieser Geschichte. Nicht umsonst musste Karin Dor diese „Besetzungsgeschichte“ immer wieder erzählen. Für die Rolle im Bond-Film mussten ihre Haare von Dunkel auf Rot-Blond gefärbt werden. Nach ihrer Erzählung, eine sehr aufwendige Angelegenheit, aber sie war flexibel und anpassungsfähig genug, um diese Veränderung über sich ergehen zu lassen. Trotz vorhandener Widerstände und ungünstiger Umstände, setzte sie sich durch.
Zwei Jahre später wurde sie, unter vielen Mitbewerberinnen, von dem berühmten Regisseur Alfred Hitchcock für die weibliche Hauptrolle in den Film „Topas“ ausgewählt. Hier sollte sie eine Kubanerin spielen. Englisch mit kubanischem Akzent war für sie kein Problem. Darüber wunderte sie sich später selbst. Die Erfolgsgeschichte von Karin Dor ist auch ein Stück Mentalitäts- und Kulturgeschichte der Deutschen.
Jedoch: Mit Hitchcocks Spionagethriller (1969) war ihre internationale Karriere schon beendet. Die Filmindustrie befand sich in einer Krise, es gab nicht mehr so viele passende Rollen und sie wollte, nach ihren eigenen Aussagen, nicht monatelang in den USA auf Arbeitsmöglichkeiten warten. Stattdessen konzentrierte Karin Dor sich auf das Theater. Bis zu ihrem Tod spielte sie in zahlreichen Boulevardkomödien, zuletzt an der Komödie am bayrischen Hof in München.
In dem Video erzählt sie die „aufregende“ Geschichte, wie sie zu der Rolle in dem James-Bond-Film gekommen war.
Rolf-Michael Hilkenbach

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