Persönliche Erinnerungen, Tipps für Anfänger und mein Lieblingsrezept
Vom Ritual des Backens
Backen ist historisch gesehen mehr als die Zubereitung eines Gebäcks, mehr als ein Handwerk. Es ist ein kulturelles Ritual, das Gemeinschaft stiftet und Erinnerung bewahrt. In bäuerlichen Küchen galt die Feuerstelle als Herz des Hauses, in Klöstern wurde Brot zum Symbol des Lebens, und über Generationen hinweg wurden Rezepte wie stille Erbstücke weitergegeben. Alte Rezeptsammlungen aus der Familie wurden und werden wie Dokumente behandelt und sorgsam verwahrt. Die Weitergabe von Rezepten an die nächste Generation ist ein Ritual, das familiäre Erinnerung bewahrt und zugleich neue Erfahrungen ermöglicht. Wer heute backt, tritt ein in eine lange Tradition, die von Generation zu Generation weitergegeben wird – und schreibt sich selbst in diese Geschichte ein.
Rhabarber selbst ist ein Beispiel für diese kulturelle Verankerung: Eine Pflanze, die einst selbstverständlich in den Gärten wuchs und heute fast exotisch wirkt. Wer Rhabarber verarbeitet, knüpft an eine Tradition an, die Kindheit, Jahreslauf und Festtage miteinander verbindet. Geschichte wird neu belebt und weiter entwickelt. So wird das Backen zu einem Akt der Selbstvergewisserung – ein Stück Alltagsgeschichte, das sich im Duft und im Geschmack eines Kuchens verdichtet.
Backen und Kochen bedeutet für mich vor allem Pflege der Häuslichkeit und Sorge für ein angenehmes Zuhause. Ich tue mir selbst und meinen Gästen etwas Gutes. Ich kann mir zu jeder Zeit etwas Besonderes ermöglichen. Ich liebe einfache und bodenständige Rezepte. Dabei greife ich gerne auf Traditionen aus meiner Herkunftsfamilie zurück.
Im Laufe der Jahre hat sich meine Kompetenz in dieser Hausarbeit deutlich verbessert. Auch das schätze ich an dieser Tätigkeit ganz besonders: Den Aspekt der Veränderung und Entwicklung. Ich erkenne das daran, dass ich gegenwärtig immer weniger auf Fertigprodukte bzw. hoch verarbeitete Lebensmittel aus dem Handel zurückgreife. Das bedeutet nicht, das ich Fertigprodukte grundsätzlich ablehne. Ganz im Gegenteil: Sie können im Alltag sehr nützlich sein, wenn andere Aufgaben wenig Zeit für das Kochen und Backen ermöglichen oder es eben mal ganz schnell gehen soll. Und das integrieren von guten Fertigprodukten in die Koch- und Backaktivität kann von Fall zu Fall ganz sinnvoll sein. Aber meine Selbstständigkeit und Unabhängigkeit in der Nahrungsmittelzubereitung empfinde ich als sehr angenehm. Ich bin immer wieder hocherfreut, wenn ich hier etwas Neues dazu lerne.
Und zu guter Letzt: Backen und Kochen bedeutet mit den eigenen Händen etwas gestalten, mit einfachen Mittel schöpferisch tätig werden. Etwas das essentiell ist für die menschliche Seele und wichtig für das allgemeine Wohlbefinden. So sehe ICH das!
Das Rezept für einen Rhabarberkuchen habe ich in meinem Blog aufgenommen, weil mich mehrere Menschen aus meinem Umfeld danach gefragt hatten.
Ich kenne Rhabarber seit meiner Kindheit. Wir hatten in unserer Wohnsiedlung hinter den Häusern große Gärten. Hier wurde Vieles angebaut und gepflanzt. In fast jedem Garten gab es eine Rhabarberpflanze. So gehörte Rhabarber ganz selbstverständlich zur Nahrung dazu: Rhabarberkompott, Rhabarbermarmelade (sehr lecker mit Erdbeeren), Rhabarberkuchen und Rhabarbersaft. Rhabarber wurde auch in Gläsern eingekocht und konnte so über das ganze Jahr gegessen werden. Ich liebe heute noch Vanillepudding mit Rhabarber im eigenen Saft, eine süß-säuerliche Leckerei mit Vanillearoma.
Was mir aufgefallen ist: Heute ist bei vielen Menschen Rhabarber so gut wie unbekannt. Zumindest, weis man mit der Pflanze nichts so Richtiges anzufangen. Dementsprechend ist im Lebensmittelhandel Rhabarber nicht immer vorrätig. Oft kann ich an den geschnittenen Stielen erkennen, das der Rhabarber auch nicht mehr wirklich frisch ist. Ich kaufe den Rhabarber deshalb meist auf dem Markt. Da ist er immer frisch, leider aber auch teurer. Rhabarber kann in der Zeit von April bis Juni geerntet werden. Rhabarber gehört deshalb in jedem Frühjahr zu meiner Koch- und Backplanung.
Rhabarberkuchen hat für mich einen festen Platz im Jahreslauf, denn er erinnert mich an Kindheitstage und gesellige Nachmittage im Garten.


Hier folgt mein bewährtes Rezept für Rhabarberkuchen mit Butterstreusel.
Zutaten Rührteig
125 g Mehl,
125 g Zucker (eventuell nur 100g)
1 Päckchen Vanillezucker
125 g Butter,
2 Eier
1 TL Backpulver, etwas geriebene Zitronenschale,
1 Prise Salz
etwas abgeriebene Zitronenschale
ca. 800 g Rhabarber
Weiche Butter, Zucker, Eier, Vanillezucker, Prise Salz mit dem Handmixer gut verrühren bis eine glatte schaumige Masse entsteht, dann das Mehl nach und nach zugeben. Der Teig sollte nach dem Verrühren eine cremige, nicht zu feste Konsistenz haben.
Zutaten Streusel
150 g Mehl
100 g Zucker
2 gehäufte TL Vanillezucker
100 g weiche Butter.
Meine Erfahrung ist, dass Kuchen generell besser schmeckt, wenn ich weniger Zucker verwende. Also eventuell nur 100 g Zucker in den Rührteig. Das ist aber Geschmackssache. Vielleicht lieber bei den Streuseln etwas Zucker zugeben, wenn der Belag kräftig sauer ist. Mir persönlich reichen die 100 g Zucker. Statt künstliches Zitronenaroma, lieber die abgeriebene Schale einer halben Zitrone. Vorsichtig nur das Gelbe der Schale abreiben, das Weiße darunter kann einen leicht bitteren Geschmack hervorrufen. Das Zitronenaroma darf nicht zu dominant werden.
Den Teig in eine Springform geben (24 cm). Die Springform vorher einfetten und mit Semmelbrösel ausstreuen. Dann lässt sich der Kuchen später gut aus der Form lösen. Auf den Rührteig ca. 8oo g kleingeschnittenen Rhabarber geben (Stücke 1-2 cm). Der Rhabarber muss vorher nicht unbedingt abgezogen werden. Wenn der Rhabarber sehr faserig ist, empfiehlt es sich die äußere Schale vorsichtig zu entfernen (abziehen). Das sorgt für eine angenehmere Konsistenz im Kuchen. Mein Tipp für Anfänger: Nicht wundern, wenn die geschnittene Menge zunächst als sehr viel erscheint – beim Backen fällt der Rhabarber stark zusammen. Die Rhabarberstücke ruhig etwas in den Teig hineindrücken.
Den Streuselteig mit der Hand durchkneten. Der Streuselteig schmeckt auch gut mit einer Messerspitze Zimt, dann aber den Vanillezucker weglassen. Mit Aromen sollte man generell vorsichtig umgehen. Ein Zuviel kann alles verderben. Die Streusel locker über den Rhabarber verteilen. Manchmal gebe ich noch ein paar gehackte Nüsse zu den Streuseln.
Den Kuchen im vorgeheizten Backofen auf der mittleren Schiene bei 180 Grad backen, Backzeit ca. 50 Minuten, bis die Streusel goldgelb und knusprig sind. Die Probe mit einem Holzstäbchen hilft: Bleibt kein Teig kleben, ist der Kuchen fertig.
Das Rezept kann auch mit jeder anderen Art von säuerlichem Obst verwendet werden: Pflaumen, Schattenmorellen, Äpfel. Soll der Kuchen auf einem Backblech zubereitet werden, muss die Menge der Zutaten für den Teig verdoppelt werden.
Der Rhabarberkuchen lässt sich sehr gut einfrieren. Ich teile den Kuchen dann in einzelne Stücke und packe jedes Stück – oder auch zwei – in einen Gefrierbeutel. So kann ich je nach Bedarf den Kuchen wieder auftauen. Mein Tipp: Nach dem Auftauen den Kuchen ganz kurz in die Mikrowelle stellen, dann ist er wie frisch aus dem Ofen.
Backen ist für mich immer auch ein Stück Lebensfreude und ein Anlass, gemeinsam Zeit zu verbringen. Ich ermutige jeden, das Rezept auszuprobieren – der Duft von frisch gebackenem Kuchen macht jeden Tag ein bisschen schöner! Probiert gerne verschiedene Obstsorten aus oder gebt Nüsse in die Streusel, um euren eigenen Lieblingskuchen zu kreieren. Viel Spaß beim Backen und Genießen!
Rolf-Michael Hilkenbach / Mai 2015 / ergänzt und überarbeitet Dezember 2025

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