Hat populäre Kultur etwas mit Religion zu tun? Die Frage kann ich eindeutig mit einem ja beantworten. Inge Kirsner hat in einem Artikel im Online-Magazin für Theologie und Ästhetik darauf hingewiesen. Ihre Anregung möchte ich hier aufnehmen.
Viele populäre Produkte der Medienindustrie sind ein zeitgemäßer Ausdruck seelischer Bedürfnisse und sozialer Problemlagen des gesellschaftlichen Zusammenlebens von Menschen: Gewalt, Liebe, Sexualität. Insbesondere Musik und Film sind hier ein Spiegel der Gegenwart, ein Kommentar zur Welt, so wie es Religion und Theologie auch sein wollen. Es wird eine Antwort auf die Frage gesucht, wie Menschen heute leben können? Die Beantwortung dieser Frage ist gegenwärtig nicht mehr so einfach und eindeutig wie in früheren Jahrzehnten und Jahrhunderten. Die Festlegung auf klare Schichten, Klassen, Gruppen oder Institutionsspezifische Lebensformen befindet sich seit langem schon im Aufbruch. Neuorientierungen sind hier nicht nur gefragt, sondern werden erstmals, in einem historisch bisher unbekanntem Ausmaß ermöglicht.
Menschen befinden sich auf dem Weg zur Neukonstruktion von Wirklichkeiten. Die Realität von Wirklichkeit kann heute nur im Plural als die Realität von möglichen „Wirklichkeiten“ verstanden werden. Visuelle, bildgebende Medien spielen in diesem psychosozialen Prozess eine sehr große Rolle. Sie thematisieren mögliche Lebensformen, geben Fantasien einen konkreten Ausdruck und geben Orientierung für eine eigene sinnhafte und erfülltere Lebenspraxis. Die Umsetzung in einem konkreten realen Leben bleibt dabei offen und variabel, ein Angebot von Möglichkeiten, das in ganz unterschiedlichen sozialen Lebenslagen, ganz individuell gebraucht werden kann: Ein Bausatz für die Selbstinszenierung des Lebens. Dahinter steht auch die ewige Sehnsucht nach einem Mehr, nicht immer klar formulierbar, aber in jedem Menschen dauerhaft präsent. Ein Streben, das über ein Hier und Jetzt hinausgeht, also einen transzendentalen Charakter besitzt. Der Philosoph John O` Donohue sieht im Wesen der Sehnsucht eine zentrale treibende Kraft im menschlichen Leben. Die Sehnsucht zieht den Menschen vom Jetzt der Gegenwart in die Möglichkeit eines zukünftigen Seins.
Mit Sicherheit das große populäre Ereignis in diesem Jahr 2015! Der Spielfilm „Fifty Shades of Grey“. Der Film sorgte für Rekorde an der Kinokasse – trotz Kritik von manchen Hardecore-Fans der Romantrilogie, die als Vorlage für den Film diente.
Was mag so viele Menschen – in der Mehrheit Frauen – an „Fifty Shades of Grey“ so faszinieren? Die Romane wurden und werden weltweit, millionenfach gelesen, der Film ein großer Erfolg (480 Mill. Dollar Einspielergebnis), das Merchandising im medialen Umfeld lässt die Kassen klingeln. Professionelle Fotografen bieten für Paare Fotoshootings an, mit nachgestellten Szenen aus dem Film. Wahrscheinlich ist es der Traum von einer Kombination aus Liebe, Begehren, totaler Hingabe und Sex. Beziehung, berechenbar auf Vertragsbasis….BDSM, herausgeholt aus einem anrüchigen Schmuddel-Rotlicht Milieu und geheimnisvoll in einem luxuriös, elegant-romantischen Samt-Und-Seide-Milieu angesiedelt; ästhetisch, sauber, mit einem Hauch von Chanel Nr. 5; der „Langeweile“ dem alltäglichen Trott im Alltag entgegengesetzt, akzeptable glamouröse Spannung und Abenteuer, für Jeden/Jede zu haben. Nicht zuletzt, ein wenig das Märchen von Aschenpudel und dem Prinzen. Die ewige Sehnsucht nach Mehr…nach Endgültigkeit der Suche, ein Angekommen-Sein…Frieden!
„Unruhig ist mein Herz, bis es Ruhe findet in dir“, formulierte der Kirchenlehrer Augustinus von Hippo im Jahr 397 und weiter…
„Du hast gerufen, geschrien, hast meine Taubheit aufgebrochen. Du hast geleuchtet wie ein Blitz über mir und hast meine Blindheit verjagt. Du hast Deinen Wohlgeruch ausgeströmt, ich habe ihn eingeatmet und wittere Dich. Geschmack habe ich an Dir gewonnen. Jetzt hungere und dürste ich. Du hast mich berührt und ich brenne vor Sehnsucht nach Deinem Frieden“
……und Ellie Goulding singt im Jahr 2015:
Du bist das Licht, du bist die Nacht Du bist die Farbe meines Blutes. Du bist die Heilung, du bist der Schmerz. Du bist das Einzige, das ich berühren möchte. Ich hätte nie gedacht, dass es so viel bedeuten kann, so viel.
Also lieb mich so wie du es tust, lieb mich wie du es tust Lieb mich so wie du es tust, lieb mich wie du es tust. Berühre mich so wie du es tust, berühre mich wie du es tust. Worauf wartest du?
Das Video mit dem Lied von Ellie Goulding aus dem Soundtrack von „Fifty shades of Grey“ – „Love Me Like You Do“ – wurde auf YouTube bisher über 11. 000 000 Millionen Mal angeschaut…Ende offen!


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