Siehe hierzu die folgenden Beiträge
Lesezeit – „Die längste Reise“ (The Longest Journey), ein Roman von E.M. Forster – hilkenbach
Pip: Hilkenbach hat sich E. M. Forster vorgenommen — einen Autor, der mit 41 Jahren aufgehört hat, Romane zu schreiben, weil er keine Lust mehr auf dumme Menschen hatte. Respekt.
Mara: Genauer gesagt geht es heute um Forsters Werk und Denken: einen Roman, der gerade erstmals auf Deutsch erschienen ist, und um das, was Forster als Schriftsteller und Beobachter seiner Zeit ausgemacht hat. Fangen wir mit den Romanen an.
Forsters Romane und seine Fragen nach Wahrheit
Pip: Im Mittelpunkt steht ein Buch, das Forster selbst als sein liebstes und zugleich unbeliebtestes bezeichnete — ein Widerspruch, der schon viel über den Autor verrät.
Mara: Der Beitrag zu „Die längste Reise“ zitiert Forster direkt: „Die längste Reise ist der am wenigsten beliebte meiner fünf Romane, doch freut es mich am meisten, ihn geschrieben zu haben.“
Pip: Das heißt: Der Roman, den das Publikum am wenigsten mochte, war dem Autor persönlich am nächsten. Was darin steckt, muss also etwas gewesen sein, das er nicht für den Markt geschrieben hat.
Mara: Genau das arbeitet der Beitrag heraus. Der Roman handelt von Agnes, Rickie und Gerald — und von einer Beziehung, die nicht aus Gefühl entsteht, sondern aus einem Vakuum. Rickie tritt in die Lücke, die Geralds Tod hinterlässt, und verwechselt Nähe mit Liebe. Der Beitrag beschreibt ihn als „einen Mann, der sich eher über seine Rolle definiert als über sein eigenes Wollen.“
Mara: Als Rickies Halbbruder Stephen auftaucht — Gerald zu ähnlich, um ignoriert zu werden — bricht die fragile Konstruktion auf. Agnes sieht in ihm keine Person, sondern eine Bedrohung: die Wahrheit über ihre Ehe.
Pip: Ein Schatten als Maßstab. Das ist kein Liebesdreieck, das ist Selbsttäuschung mit Architektur.
Mara: Und das ist der eigentliche Kern des Romans, wie der Beitrag ihn liest: nicht eine Dreiecksgeschichte, sondern eine Frage danach, wie viel Wahrheit eine Beziehung erträgt. Ergänzt wird der Beitrag um ein zweiminütiges Video — eine persönliche, filmische Annäherung mit poetischem Voice-over.
Mara: Diese Frage nach Authentizität zieht sich durch das gesamte Werk Forsters, wie der zweite Beitrag zeigt. Darin wird Forster als Chronist der edwardianischen Epoche vorgestellt — und als jemand, dessen Kernbotschaft in einem Satz aus „Howards End“ steckt: Nur die Verbindung zählt.
Pip: Und weil ihm echte Verbindung so wichtig war, hat er mit 41 aufgehört, Romane zu schreiben. Er wollte nicht mehr über Menschen schreiben, die sich ihr eigenes Denken verweigern.
Mara: Der Beitrag empfiehlt neben den Romanen auch die James-Ivory-Verfilmungen von „Zimmer mit Aussicht“, „Howards End“ und „Maurice“ — und die Biografie von Wendy Moffat, die Forsters Leben neu beleuchtet. Besonders „Maurice“, den er erst nach seinem Tod veröffentlichen ließ, trägt deutlich autobiografische Züge.
Pip: Was bleibt, ist die Frage, die Forster immer wieder stellt: Wie viel von uns selbst geben wir auf, um dazuzugehören?
Mara: Forsters Antwort darauf ist unbequem — und deshalb noch lesbar.
Pip: Nächste Woche schauen wir, womit hilkenbach uns als Nächstes in Verlegenheit bringt.

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