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Pomp und Prunk? Die Krönung von Charles III.

König Charles will offenbar seine Krönung verschlanken, meldet der „Spiegel“ und die „Neue Züricher Zeitung, NZZ“ stellt fest: Charles III. möchte keine pompöse Krönung.

Fest steht, die Krönung von Charles III. wird am 6. Mai 2023 stattfinden, in der altehrwürdigen Westminster Abbey. Liest man Kommentare zu diesem Thema hat man den Eindruck, dass „Prunk und Pomp“ – also übermäßige Prachtentfaltung – etwas unheimlich Negatives sein müssen. Wie soll denn eine Königs-Krönung nach Ansicht dieser kritischen Leute aussehen? Billig und schlicht? Grau in Grau, Sack über den Kopf und Asche aufs Haupt? Eine Zeremonie, die einer Bürgermeister-Amtseinführung ähnelt? Das Königspaar soll sich möglichst bei diesem Zeremoniell mit den Armen der Gesellschaft auf Augenhöhe bewegen und sich vor den Problemen der Gesellschaft beugen? Wem soll damit geholfen sein? Ändert sich dadurch irgendetwas? Also am besten es findet gar nicht statt, man lässt es ganz bleiben? Das ist der Tenor von eingeschworenen Republikanern, Kritikern der Monarchie oder allgemein Desinteressierten. Was daraus spricht, ist ein Unverständnis der Staatsform Monarchie, ganz besonders in der Art wie sich diese Staatsform über Jahrtausende in Großbritannien herausgebildet hat. Eine Staatsform, die bis in die Gegenwart, ein Höchstmaß an Stabilität aufzuweisen hat und mit der parlamentarischen Demokratie eine ganz eigenwillige Ehe eingegangenen ist.

Das Krönungsritual in Großbritannien ist keine formale Amt Bestätigung (die hat bereits bei der Proklamation stattgefunden), sondern ist in erster Linie ein mystisch-sakraler Akt im Rahmen einer christlich-anglikanischen Messe. Hauptzelebrant ist der Erzbischof von Canterbury. Der wichtigste Teil des Rituals ist die Salbung, analog der Salbung der Könige Israels Saul, David und Salomon, wie es im Alten Testament belegt ist. Der König ist in dieser Sicht nicht aus eigener Autorität zum Monarchen berufen, sondern durch ein höheres Prinzip (Gott) demgegenüber er sich zu verantworten hat. Er steht im Kontext einer langen, weit zurückreichenden Tradition, die er berücksichtigen soll und die seiner Individualität Grenzen setzt, er verkörpert eine Institution.

Darüber hinaus ist der Krönungsakt auch ein Bindungsritual zwischen König, Volk und Land. Ein sehr feierliches Ereignis -vergleichbar mit einer Hochzeit -, dass natürlich durch spezielle (durchaus kostspielige) Attribute einen sichtbaren Ausdruck findet. Das Krönungsritual ist in der Geschichte des Vereinigten Königreichs durch Varianten immer den jeweils zeitgeschichtlichen Erfordernissen angepasst worden und das wird auch bei der Krönung von Charles III. so sein. Klar ist, König Charles möchte dem Krönungsritual eine modernere Struktur geben. Der König möchte vor allem die Diversität moderner Gesellschaften in der Zeremonie widergespiegelt sehen. Als geschichtlich interessierter Mensch bin ich gespannt, wie es gestaltet wird, schlicht wird es auf keinen Fall sein.

Eine der heimlichen Nationalhymnen im Vereinigten Königreich ist der Marsch Nr. 1 aus Pomp and Circumstance: Land of Hope and Glory. Und wenn man beobachtet, wie gerne Briten bei öffentlichen Veranstaltungen gerade diese Hymne mit voller Inbrunst singen und von ganzem Herzen überaus emotional herausschmettern, dann kann man davon ausgehen, dass die Mehrheit der Menschen im Vereinigten Königreich an Schlichtheit und Bescheidenheit nicht interessiert ist, wenn es um die Krönung des Monarchen geht.

Land of Hope and Glory
Rolf-Michael Hilkenbach Oktober / 2022

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