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Jenseits von Grenzen und Zeit entfaltet sich unser Erbe. Entfessle die Kraft, erobere das Spiel der Imagination. Begleite uns auf der Suche nach einer anderen Frequenz von Wirklichkeit – einer Welt, in der Kreativität keine Grenzen kennt.


Lesezeit: „Die Schatzinsel“ von Robert Louis Stevenson

„Der Blick zur Schatzinsel – Hoffnung, Verlangen und Gemeinschaft“

Eine Gruppe rauer Piraten versammelt sich um den jungen Jim Hawkins, der entschlossen eine Schatzkarte in den Händen hält. Im Hintergrund liegt die geheimnisvolle Insel im goldenen Licht der untergehenden Sonne, während ein Segelschiff ruhig vor Anker liegt. Der Moment fängt den Beginn eines Abenteuers ein. Er zeigt die Spannung zwischen Solidarität und der Gier nach Gold. Ganz im Sinn von Stevensons tieferer Botschaft.

Der Blick zur Insel ist mehr als geografisch. Er ist ein Blick in die Zukunft, in das Ungewisse und in die Versuchung. Die untergehende Sonne taucht die Szene in warmes Licht. Sie scheint die Figuren noch einmal mahnen zu wollen: Was ihr sucht, ist nicht nur Gold. Es ist Entscheidung, Wandel, vielleicht sogar Erlösung.

Eine Buchempfehlung

In meinem Buch-Video stelle ich den Abenteuerroman „Die Schatzinsel“ von Robert Louis Stevenson vor. Ebenso den Fernseh-Vierteiler „Die Schatzinsel“ aus dem Jahr 1966.

„Die Schatzinsel“ ist ein Klassiker der Weltliteratur und vor allem auch der Jugendliteratur. Ein Roman für erwachsene Menschen und für sehr junge Menschen. Robert Louis Stevenson war der Ansicht, dass wirklich gute Literatur generationsübergreifend sein kann. Seine Überzeugung: Literatur für junge Menschen sollte genauso anspruchsvoll sein wie Literatur für ein erwachsenes Lesepublikum.

Auf die Idee zur Schatzinsel kam er durch eine Spielsituation mit seinem Pflegesohn. Der Junge zeichnete eine Insel. Gemeinsam überlegten sie, wie diese Insel aussieht. Sie überlegten auch, an welchem Ort der Welt sich diese Insel befinden könnte. Welche Menschen sollten die Insel bewohnen und mit welchen Ereignissen könnte die Insel verbunden sein?

Schnell entwickelte sich daraus eine Piratengeschichte, die nach einigen Fortsetzungen verlangte. Die Geschichte wurde von Stevenson zu Papier gebracht und auch allen anderen Familienmitgliedern zum Lesen gegeben. In der Familie wurde die Geschichte diskutiert und überarbeitet. Aus den Gesprächen heraus veränderte sich im Laufe der Zeit die Abenteuererzählung, bis hin zum Titel.

Der Roman „Die Schatzinsel“ ist somit das Ergebnis eines kommunikativen sozialen Austausches, an dem mehrere Personen beteiligt waren. Dieser Prozess entsprach Stevenson`s Vorstellung vom richtigen Wesen erzählender Literatur. Eine Geschichte sollte nicht einfach in der isolierten Fantasie des Schriftstellers entstehen. Sie sollte stets aus der konkreten Anschauung der Realität entwickelt werden. Stevenson war der Ansicht, dass gute Literatur nur im Austausch mit der gelebten Realität entsteht.

Die Schatzinsel ist ein spannender, abenteuerlicher Roman. In der Tiefe ist es jedoch eine Erzählung über die kapitalistische Gier nach Gold und Reichtum. Hinter dem Abenteuer verbirgt sich eine Kritik an dieser materiellen Gier und der sozialen Ungleichheit. Der Roman handelt auch vom Überlebenskampf in einer durch extreme Ungleichheit geprägten Gesellschaft.

Der eigentliche Schatz der deklassierten Underdogs, hier die Piraten, ist ihre Solidarität untereinander. Sie leben auf der untersten Stufe der Gesellschaft und sind von der gesellschaftlichen Teilhabe ausgeschlossen. Die Piraten-Solidarität sichert ihr Überleben. Der Schatz der Piraten ist nicht das Gold, nicht der monetäre Reichtum. Ihr Schatz ist die Solidarität! In dem Moment wo sie, korrumpiert durch das Gold, diese Solidarität aufgeben ist ihr Leben am Ende. Die Geschichte ist eine Allegorie auf den Kapitalismus. Sobald die Gier nach Gold, nach monetärem Kapital, über die Gemeinschaft siegt beginnt der Zerfall. Der Roman zeichnet ein starkes Bild für den moralischen Verfall durch materielle Besessenheit.

Warum die „Die Schatzinsel“ heute noch wirkt

Auch über ein Jahrhundert nach ihrer Entstehung bleibt „Die Schatzinsel“ mehr als nur ein spannender Abenteuerroman. Der Roman ist ein literarischer Spiegel für Fragen, die uns bis heute beschäftigen. Was bedeutet Gemeinschaft in einer Welt, die von Ungleichheit geprägt ist? Wie verführerisch ist der Ruf des Reichtums – und was sind wir bereit, dafür aufzugeben?

Stevensons Geschichte zeigt, dass der wahre Schatz nicht im Gold liegt, sondern in der Solidarität der Ausgeschlossenen. In einer Zeit, in der soziale Spaltung und materielle Gier wieder deutlich spürbar sind, wirkt dieser Gedanke aktueller denn je. „Die Schatzinsel“ lädt uns ein, hinter die Kulisse des Abenteuers zu blicken. Dort können wir eine Botschaft entdecken, die uns auch heute noch herausfordert: Wer sind wir, wenn niemand hinsieht? Und was ist unser Schatz?

Hier ein kurzer Trailer zu meinem Lesezeichen-Video: Piraten und eine Schatzinsel

Rolf-Michael Hilkenbach / Januar 2022 / Überarbeitet und ergänzt 2025

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