Prinz Harry, der zweitälteste Sohn des britischen Thronfolgers, und seine Frau Herzogin Meghan leiden unter einer vollkommenen Fehleinschätzung ihrer Rollen im politischen System der Briten und ihrer persönlichen Bedeutsamkeit. Sie waren Angestellte der britischen Steuerzahler für spezielle Aufgaben, nichts weiter.
Diesen luxuriösen Anstellungsvertrag haben die beiden gekündigt. Sie fühlten sich belästigt durch die britische Öffentlichkeit und wollten keine Rechenschaft über ihr Aufgabenprofil abgegeben. Abstimmungen mit anderen Staatsangestellten aus dem Haus Windsor waren ihnen zu mühselig. Alleingänge, ohne Absprachen wurden offenbar bevorzugt. Eine entscheidend treibende Kraft, scheint hier die zur Herzogin aufgestiegene Schauspielerin gewesen zu sein.
Nun möchten Prinz und Herzogin aber weiterhin Teilhaben an glamourös, repräsentativen Auftritten, die sie sich jedoch nach ihren persönlichen Vorstellungen aussuchen wollen. Und welche Überraschung: Ihr ehemaliger Arbeitgeber (denn für diese Interessen muss die Queen einstehen) ist nicht interessiert. Zum „Remembrance Sunday“ wurden sie nicht eingeladen. Stattdessen inszenierte das trotzige Paar – quasi als eine Art Gegenveranstaltung – eine Kranzniederlegung auf einem US-amerikanischen Soldatenfriedhof.
Peinlich: In diesem Zusammenhang hat das mit einer Ehrerbietung gegenüber den gefallenen Soldaten nichts zu tun. Es geht vor allem um Eigennutz. Der eingeheirateten Herzogin könnte man hier einiges Verzeihen, weil ihr die nötige „royale Bildung“ fehlt. Prinz Harry aber wurde im königlich- monarchischen Umfeld sozialisiert. Er sollte es besser wissen.
Jedem, der um die Bedeutung des „Remembrance Sunday“ in Großbritannien weiß, sollte klar sein: Diese Aktion auf dem Soldatenfriedhof war mit Sicherheit endgültig die Guillotine für ihre Rollen als königliches Paar. Prinz Harry und Herzogin Meghan sind keine Royalities mehr und werden auch keine mehr sein.
Warum muss man das Ganze überhaupt diskutieren? Weil es um die Monarchie als Staatsform in einem postmodernen Zeitalter geht. Das britische Königshaus sitzt hier – dem Anschein nach – fest im Sattel. Personen aus königlichem Haus, wie das Herzogspaar von Sussex, aber auch ihr skandalöser Onkel Prinz Andrew mit seinen unappetitlichen Bordellgeschichten, entwickeln die Monarchie zu einem Kuriositätenkabinett. Das könnte problematisch werden, für den royalen Anspruch auf „ewige“ Herrschaft.
Rolf-Michael Hilkenbach / März 2021
Prinz Harry: Verbannung vom „Remembrance Sunday“ kostete die Queen „zwei Sekunden“ | GALA.de

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