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Jenseits von Grenzen und Zeit entfaltet sich unser Erbe. Entfessle die Kraft, erobere das Spiel der Imagination. Begleite uns auf der Suche nach einer anderen Frequenz von Wirklichkeit – einer Welt, in der Kreativität keine Grenzen kennt.


Die weihnachtliche Dekowelt – Weihnachtsgedanken 2023

Neulich sah ich einen Laden in der Einkaufszone von Essen, voll mit Weihnachtsdeko-Artikeln, über zwei Etagen. Früher war hier ein großes Geschäft mit Bekleidung, dann über längere Zeit ein Leerstand und nun alles voll mit Weihnachtsdekoration. Und jetzt ist schon klar: Nach Weihnachten wird dieses Geschäft wieder verschwinden, die Verkaufsräume werden wieder leer stehen. Nichts bleibt zurück, außer viel Leere. Eine Leere, die anscheinend unangenehme Gefühle bei vorbeieilenden Passanten hervorruft. Das ist nicht nur ein kaufmännisches Problem für die Innenstadt. Viele Menschen möchten diesen Leerstand nicht sehen. Es wirkt unangenehm. An diesem Ort scheint das Leben abgezogen, geradezu ausgesaugt zu werden.

Leere scheint gefährlich zu sein, sie hat die Eigenschaft sich breit zu machen. Das Nichts legt sich wie ein zäher Nebel über das Leben der Menschen. Von solchen Orten der Leere geht eine Bedrohung aus. Und mit viel Dekoration soll offenbar diese Leere bekämpft werden. In einschlägigen Foren von Sozialmedia, die sich speziell mit Dekoration beschäftigen, habe ich oft den Eindruck das Leere mit Dekoartikeln ausgefüllt wird.

Ich sehe viele Fotos von Wohnräumen. Sie sind überbordend mit Weihnachts- oder Winterdekoration gefüllt. Schon ein paar Monate vor Weihnachten beginnt der Hype. Aber nicht nur zu Weihnachten zeigt sich dieser Trend. Ich kann das zu allen möglichen besonders geprägten Zeiten im Jahr beobachten. Eine normal eingerichtete Wohnung reicht nicht mehr aus. Jeder freie Platz und jede Leer-Stelle im Raum muss mit Deko-Artikeln regelrecht vollgestopft werden. Jeder Mensch soll das so handhaben wie er möchte, aber so ist mein Eindruck.

Im Englischen ist mir eine weit verbreitete Redewendung aufgefallen, die ich interessant finde: Collect Moments, not Things.

Sammle Momente und keine Dinge! Und darum geht es doch eigentlich. Positive Momente im Leben sind die wahren Geschenke. Sie sind das halt gebende Gerüst des Lebens. Diese Momente bleiben in der Erinnerung, sie überzeugen den Menschen, das das Leben sinnvoll ist. Es sind Momente, die uns Kraft geben und das Selbstbewusstsein stärken können, die den Zweifel an uns selbst in schwierigen Situationen vertreiben: Momente der Anerkennung, der Zugehörigkeit, der Wertschätzung, der Hilfsbereitschaft und Kompetenz.

Positive, emotional bewegende Momente strukturieren den Zeitverlauf. Auch wenn die materielle Dimension solcher Momente verloren geht, verfällt; die Momenterfahrung bleibt, ist unvergänglich. Oft vergessen wir solche Momente in der vielfältigen Ablenkung des Alltags, aber nach vielen Jahren tauchen sie plötzlich wieder auf und entfalten ihre Wirkung. Solche Erinnerungen sind wichtiger als irgendwelche Besitztümer.

Geschenke, Dinge wie Weihnachtsdekoration strukturieren die sinnliche Erfahrung von Momenten in der Zeit, um den besonderen Wert eines vergänglichen Augenblicks hervorzuheben. Hier hat Dekoration ihren richtigen Platz und ihre Aufgabe. Dekoration hebt den Moment aus dem Gewöhnlichen heraus. Dekoration spricht das Gefühl an, die Seele und kann durchaus etwas erfahrbar machen, das sich durch Worte allein nicht ausdrücken lässt. Dekoration als Selbstzweck, ohne jeden tieferen situativen Anlass, ohne eine Verbundenheit mit einem Erfahrungsmoment ist kalt – manchmal eine kalte Pracht, die eine mögliche bedrohliche Leere unheimlich erahnen lässt.

Ich wünsche Euch gesegnete und frohe Weihnachtstage und ein gutes, gesundes neues Jahr!

Rolf-Michael Hilkenbach / Dezember 2023

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