🎃 Ein Hauch von Herbstmagie: Halloween zwischen Brauchtum und Wandel
Wenn die Tage kürzer werden und Nebel über die Felder ziehen, beginnt jene Zeit, in der das Sichtbare durchlässig werden kann – und das Unsichtbare zu flüstern scheint. Halloween, einst ein keltisches Schwellenfest, hat sich längst gewandelt: Vom rituellen Übergang zwischen Licht und Dunkel zur popkulturellen Maskerade. Doch hinter Kürbisfratzen und Süßigkeiten verbirgt sich mehr als bloßer Spaß. Ein Echo alter Vorstellungen von Leben und Tod, von Gemeinschaft und Grenzerfahrung.
Wo liegen die Wurzeln dieses seltsamen Brauchtums im Oktober? Der 31. Oktober, für die evangelischen Christen ein wichtiger Feiertag: Der Reformationstag. Für die katholischen Christen der Vorabend zum Allerheiligenfest am 1. November. Ein allgemeiner, arbeitsfreier Feiertag, zumindest in Deutschland und vielen Ländern der Westkirche. Also eigentlich eine sehr christlich geprägte Zeit, um den letzten Kalendertag im Oktober.
Die heutige Form von Halloween ist das Ergebnis vielfältiger kultureller Überlagerungen. Halloween! Dieses Fest wurde von irischen Einwanderern in die USA gebracht und im Laufe von mehr als 100 Jahren sehr kommerzialisiert. Die Ursprünge liegen mit ziemlicher Sicherheit im keltischen Samhain Fest. Ganz genau weiß man es nicht, weil die Kelten nichts Schriftliches hinterlassen haben. Das, was wir darüber wissen, stammt aus Berichten der Römer und volkstümlichen Überlieferungen.
Die Kelten glaubten, dass sich an bestimmten Tagen im Jahr das Tor zur Anderswelt öffnet. Die Anderswelt bezeichnet in der keltischen Mythologie eine spirituelle Dimension, in der die Seelen der Verstorbenen verweilen.
Die Kelten trennten den Ort der Lebenden und den Ort der Verstorbenen nicht so strickt wie es unserem heutigen kulturellen Verständnis entspricht. Es sind Parallelwelten. Zwei Bestandteile einer Welt. Sie sind im Kontakt getrennt durch eine undurchdringliche Nebelwand, da die Seins Zustände so unterschiedlich sind.
An Samhain öffnet sich jedoch für kurze Zeit ein Tor zwischen den Welten. Ein Kontakt zwischen Lebenden und Verstorbenen wird möglich. Am Abend von Samhain feierten die Lebenden ein Fest. Sie deckten den Tisch und ließen am Tisch Plätze frei. Diese Plätze sind für den Besuch aus der Anderswelt vorgesehen. Man lädt die Verstorbenen zu Tisch. Ausdruck einer andauernden Beziehung und des Nicht-Vergessens.
Verweigert man aber den Kontakt zu den Verstorbenen, lädt man sie nicht zu sich ein. Hält man das Haus für diesen Besuch verschlossen, kann es sehr ungünstige Folgen für die Lebenden haben. Das ist der dämonische Aspekt dieses Festes. Es gibt eine verantwortliche Verpflichtung der Lebenden gegenüber den Verstorbenen, so die Aussage. Es geht um Beziehung. „Samhain erinnert uns daran: Wir sind Teil einer großen Kette. Wer seine Wurzeln verleugnet, verliert die Kraft zum Wachsen“ (Wolfgang Dornbach). Auch heute noch spiegelt sich diese Idee in modernen Bräuchen wider, etwa wenn Kinder an Halloween in Verkleidung von Tür zu Tür laufen und Süßigkeiten sammeln! Deshalb heißt es: „Süßes“ oder „Saures“.
Und in einer Weiterführung können wir sagen: Es geht hier nicht nur um einen Kontakt zu den Verstorbenen, sondern um eine grundsätzliche Verbindung zur geistigen Welt. Dahinter steht eine Erfahrung von wirkenden Urkräften des Lebens, der Verbundenheit von Materiellem und Geistigem. Die Verbindung von diesen zwei Ebenen des Seins muss oder sollte gepflegt werden. Dann kann eine Überschreitung bzw. Überwindung von Grenzen möglich werden. Eine Fortschreibung von Entwicklung? So zeigt sich, dass alte Rituale auch heute noch unser Zusammenleben prägen können und einen Zugang zu spirituellen Erfahrungen eröffnen.
Erst die Christen haben, im Zuge missionarischer Bemühungen, daraus ein Geisterfest mit teuflischem Hintergrund gemacht.
Die Menschen wollten aber von diesem Fest nicht lassen. So erfand die Katholische Kirche das Allerheiligenfest. Im 8. Jahrhundert hat Papst Gregor III. das Allerheiligenfest eingeführt. Vielleicht ein Versuch, ältere heidnische Bräuche zu integrieren. Nun konnte der Verstorbenen gedacht werden – mit christlicher Symbolik und Aussage. Die jahreszeitliche Verbindung von Halloween und Allerheiligen ist so auch ein Ausdruck des Gleichgewichts zwischen altem Glauben und Christentum.



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