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Kulturgeschichte populäre Musik: „Feeling Good“, Classic-Pop, Traditional Pop

Kaum ein Song verkörpert das Gefühl von Aufbruch und innerer Befreiung so eindrucksvoll wie „Feeling Good“. Ursprünglich als Teil eines Musicals komponiert, hat sich das Stück längst zu einem Klassiker des Classic-Pop entwickelt – interpretiert von Künstlern wie Nina Simone, George Michael und Michael Bublé, die dem Lied jeweils eine ganz eigene emotionale Tiefe verliehen. Mit seinem kraftvollen Crescendo, jazzinspirierten Arrangements und dem Thema des Neuanfangs spricht „Feeling Good“ universelle Sehnsüchte an: nach Freiheit, Selbstbestimmung und einem neuen Lebensgefühl. Dieser Beitrag beleuchtet die kulturgeschichtliche Bedeutung des Songs und zeigt, wie unterschiedlich er interpretiert werden kann, ohne seinen Kern zu verlieren.

„Feeling Good“ ist ein herausragender Song des Classic- bzw. Traditional-Pop aus dem Jahr 1964, komponiert von Anthony Newley und Leslie Bricusse. Ursprünglich Bestandteil eines Musicals, avancierte der Song in späteren Jahren zu einer beliebten Solonummer.

Sehr viele Sängerinnen und Sänger haben den Song gecovert. Es ist ein typischer Song im Stil des Classic-Pop, der nicht einfach nur gut gesungen, sondern vor allem gut interpretiert werden muss. Mit einer guten Interpretation leben solche Songs immer wieder neu auf. Erst durch das ganzheitliche Erfassen von Text und Musik, in Verbindung mit dem eigenen individuellen Erleben des Interpreten, wird der Song zu einem musikalischen Ereignis.

Typisch für Classic-Pop sind üppige Streichersets im musikalischen Arrangement und großes Orchester mit viel Blasinstrumenten. Die Musik ist vom Swing und Jazz inspiriert, legt den Schwerpunkt aber auf Melodie und Harmonie. Bei Live-Darbietungen wird den Sängern und Sängerinnen einiges abverlangt, da sie in der Regel mit großem Orchester und kräftigem Sound im Hintergrund singen müssen. Gerade deshalb sind diese Art Songs bei den Interpreten sehr beliebt, weil sie das persönliche Können hervorheben. Sehr viele Sängerinnen und Sänger der populären Musik sind besonders durch Songs aus dem Classic- bzw. Traditional-Pop bekannt geworden.

Wie unterschiedlich ein Song interpretiert werden kann, ohne den eigentlichen Charakter des Songs zu verfremden, zeigen die drei folgenden Beispiele.

Das Thema von „Feeling Good“ ist der Neuanfang, der neue Start ins Leben und ein Gefühl der Freiheit. Es beginnt leicht mit kleinen, leisen Anzeichen und verfestigt sich mit einer fortlaufenden intensiven Erfahrung. Die Musik versinnbildlicht diesen Prozess mit leisen, flirrenden Klängen zu Beginn, mit Steigerung zu einem wahren Crescendo, dass einem Gefühlsausbruch gleichkommt. Die Dynamik der Musik soll die existentielle Veränderung im Bewusstsein des Menschen betonen. Das Klangarrangement ist ein Rinforzando: Ein Beginn mit leicht anschwellender Betonung, die zunehmend stärker wird, kombiniert mit plötzlicher Betonung, einem Sforzato.

Von der Sängerin bzw. dem Sänger wird erwartet, dass dieser Drive des Songs stimmlich umgesetzt und möglichst in Verbindung mit einer authentischen Auseinandersetzung mit dem Thema des Songs vermittelt wird. Der Song muss zu einem eigenen Song gemacht werden, ein bloßes gutes Nachsingen wird dem künstlerisch nicht gerecht.

Liedtext „Feeling Good“

Die Vögel fliegen hoch, du weißt, wie ich mich fühle
Die Sonne am Himmel, du weißt, wie ich mich fühle
Ein leichter Wind zieht vorüber, du weißt, wie ich mich fühle

Es ist eine neue Dämmerung
Es ist ein neuer Tag
Es ist ein neues Leben
für mich
und ich fühle mich gut

Die Fische im Meer, du weißt, wie ich mich fühle
Der Fluss rinnt frei, du weißt, wie ich mich fühle
Die Blüte am Baum, du weißt, wie ich mich fühle

Es ist eine neue Dämmerung
Es ist ein neuer Tag
Es ist ein neues Leben
für mich
und ich fühle mich gut

Die Libelle in der Sonne, du weißt was ich meine, oder?
Die Schmetterlinge haben Spaß, du weißt was ich meine
Schlaf in Frieden, wenn der Tag vorbei ist
Das ist es, was ich meine
Und diese alte Welt ist eine neue Welt
und eine mutige Welt
für mich

Sterne, wenn ihr scheint, ihr wisst, wie ich mich fühle
Der Duft der Kiefer, du weißt, wie ich mich fühle
Oh, Freiheit ist Mein
und ich weiß, wie ich mich fühle

NINA SIMONE, 1965

Die erste Soloversion des Songs stammt von NINA SIMONE aus dem Jahr 1965. Beim genauen hinhören entdeckt man Gospel/Blues-Elemente und sie bringt im Gesang Aspekte afro-amerikanischer Traditionals mit ein, so wie sie vielleicht auch von den Sklaven auf den Baumwollfeldern gesungen wurden. „Feeling Good“ wird bei ihr zu einer Befreiungshymne, ein Song, der auf Veränderung im Leben drängt. Hier heißt es: Ich fühle mich gut, weil ich weiß, dass eine neue Zeit kommen wird, ich bin frei. „Feeling Good“ von NINA SIMONE kommt auf dem Höhepunkt der Bürgerrechtsbewegung und rassistischer Auseinandersetzungen in den USA auf den Markt.

GEORGE MICHAEL

Die „Feeling Good“-Version von GEORG MICHAEL aus den 90er Jahren ist die selbstbewusst, elegant glamouröse Präsentation einer bereits gemachten Erfahrung. Ein Statement, ein Bekenntnis!

Zu Beginn des Songs erkennt man, dass er sich an der Interpretation von Nina Simone orientiert, dann aber dem Song eine eigene Farbe gibt. Er möchte mit Begeisterung das Publikum an diesem persönlichen Erlebnis seiner Emanzipation aus gesellschaftlichen Zwängen teilhaben lassen. Etwas ganz Neues soll seinen Anfang nehmen. Unterstützt wird er dabei von der international bekannten Burlesque-Tänzerin DITA VON TEESE. Diese spezielle, sehr unterhaltsame Kombination darf man bei dieser Song-Interpretation nicht außer Acht lassen. Für GEORG MICHAEL war es offenbar so wichtig, dass außer im Originalvideo, die Darbietung von DITA VON TEESE auch im Hintergrund bei seinen Liveauftritten zu sehen war.

Die Verbindung von Freiheit und Erotik sind hier die zentralen Elemente der Performance. Nicht zufällig hören wir zur Einleitung des Videos einen Kommentar von dem Modedesigner Jean Paul Gaultier, der vor allem für seine provokant unkonventionelle Mode bekannt wurde. Für George Michael war der Song eine Möglichkeit, seine künstlerische und persönliche Befreiung öffentlich zu zelebrieren.

MICHAEL BUBLE

Der Kanadier MICHAEL BUBLE ist ein fantastischer Sänger und Interpret, dem gerade diese Art Musik besonders liegt. Seine Spezialität ist das „Great American Songbook“, zu dem sehr viele Songs des Classic- und Traditional-Pop gehören.

Er präsentiert in seiner „Feeling-Good-Version“ die überraschend, erstaunliche Augenblickserfahrung einer möglichen Lebensveränderung. Ein behutsamer Blick in eine mögliche Zukunft. Ein Moment der Hoffnung. Die musikalische Orchestrierung greift diesen Erlebnis-Aspekt sehr gut auf. Er will diesen Moment, diesen Augenblick festhalten und mit aller Kraft für die Zukunft retten. Eine Erfahrung, die noch wachsen soll und deshalb, wie eine kleine Pflanze, behütet werden muss. Das ist der Ausklang!

Feeling Good“ ist weit mehr als ein musikalisches Statement. Es ist ein kulturelles Echo auf die Sehnsucht nach Freiheit, Selbstbestimmung und emotionaler Erneuerung. Der Song wirkt als Befreiungshymne in Nina Simones kraftvoller Interpretation. Er wird zu einem glamourösen Statement bei George Michael. Bei Michael Buble ist er eine zarte Momentaufnahme. Der Song lebt durch die Vielfalt seiner Deutungen und die Authentizität seiner Interpreten. Gerade diese Wandlungsfähigkeit macht ihn zu einem zeitlosen Klassiker des Classic-Pop. Er erinnert uns daran, dass Musik nicht nur gehört, sondern erlebt werden will. Ein guter Song ist erst dann wirklich „gut“, wenn er das Innerste, die Tiefe der Seele, berührt.

Rolf-Michael Hilkenbach / Oktober 2021 / Überarbeitet Oktober 2025


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