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„Made you look“. Der Popsong des Jahres 2022 – Zeitgeist und Selbstreflexion in der populären Musik

„Made you look“ von der US-amerikanischen Popsängerin und Songschreiberin MEGHAN TRAINOR, ist wohl einer der erfolgreichsten Popsongs des Jahres 2022. Auf YouTube mittlerweile mehr als 47 Millionen Aufrufe und auf Instagram und Tiktok bemühen sich tausende von Menschen den Tanz (und den Spirit) aus dem Songvideo zu performen.

Meghan Trainor, die seit 2014 als Sängerin und Textautorin sehr erfolgreich ist, hinterfragt in einigen ihrer Songs humorvoll gängige Verhaltensmuster und übliche gesellschaftliche Ansichten. In dem Song „Made you look“, geht es darum sich selbst zu lieben und an die eigene wertvolle Persönlichkeit zu glauben. Vor allem geht es um ein positives Body Image. Menschen sollen sich nicht von Idealnormen irritieren lassen, sondern selbstbewusst ihre Individualität nach außen tragen. Genau das macht einen Menschen attraktiv. Kleidung, Frisur, Make-up können Attribute und Hilfsmittel sein, um die Persönlichkeit selbstbewusst zu inszenieren, aber letztendlich ist es nur die Liebe zu sich selbst, die eine positiv beeindruckende Wirkung hervorruft. So die Botschaft des Songs.

Gerade die kreativen Reaktionen auf den Song im Bereich von Social Media zeigt wie gute Popmusik unterhaltsam inspirierend auf Menschen unterschiedlichen Alters wirken kann. Das Video zu dem Song setzt das Thema von „Made you look“ sehr gut und pinkfarben übertrieben in Szene. MEGHAN TRAINOR spielt eine Filmdiva bei ihrer Arbeit als Schauspielerin und bei der PR-Arbeit. Sie möchte ihrem Publikum eine Erfahrung mitteilen, die sie selbst gemacht hat. Die Realität: bekannt ist, dass Meghan Trainor über viele Jahre mit den Veränderungen ihrer Figur gehadert hatte. Sie schrieb den Text des Liedes nach der Geburt ihres ersten Kindes. Das Kind kam durch einen Kaiserschnitt zur Welt. Die Narbe und Dehnungsstreifen auf der Haut verunsicherten sie sehr. Die Geburt, der operative Eingriff, die unübersehbaren Folgen am Körper verursachten bei ihr ein psychologisches „posttraumatisches Syndrom“. Sie musste neu lernen, ihren Körper zu lieben und schrieb diesen Self-Love-Song, um ihre Probleme mit dem Körperbild zu mildern.

Somit trifft „Made you look“ unmittelbar auf ein viel diskutiertes Thema im gegenwärtigen sozialen Klima. „Bodyshaming“: Abwertende Äußerungen über den Körper und das Erscheinungsbild anderer Menschen, die negativ diskriminierend wirken und bei den Betroffenen ein Schamgefühl hervorrufen sollen: „Schäme dich so wie du aussiehst und wie kannst du es wagen, dich öffentlich so zu präsentieren. Versteck dich besser. Mit diesem Erscheinungsbild gibt es für dich hier keinen Platz und keine Anerkennung“. Gerade mit der Zunahme der gesellschaftlichen Bedeutung von Social-Media-Plattformen und dem damit verbundenen immens großen Bedeutungszuwachs von Fotografie als Kommunikationsmittel wird „Bodyshaming“ zu einem wichtigen Thema. Als Gegenreaktion entwickelte sich die „Body-Positivity-Bewegung“. Aktivisten dieser Richtung möchten Menschen davon überzeugen, dass sie trotz einer Abweichung vom gesellschaftlich definierten Schönheitsideal mit ihrem Erscheinungsbild und ihrem Körper zufrieden sein können. In diesen Kontext gehört „Made you look“.

Musikalisch ist der Song im Doo-Wop-Sound der 50er und frühen 60er Jahre komponiert. Ursprünglich ein mehrstimmiges, sehr rhythmisches Gesangsarrangement mit Bezügen zum Rock`n-Roll. Mit einer speziellen A-Cappella-Version des Songs hat Meghan Trainor diesen Aspekt besonders hervorgehoben (siehe am Ende dieses Beitrages). Die Ästhetik der Video-Inszenierung erinnert stark an bunte Werbespots, die den Zuschauer in eine vergnügliche, farbenfrohe Lollipop-Welt entführen sollen. Eine Verführung zu einem neuen Selbstbewusstsein, so bunt und vielfältig wie die Menschen, die im Video zu sehen sind.

Liedtext „Made you look“

Ich könnte meine Gucci (Schuhe) tragen
Ich könnte meine Louis Vuitton (Tasche) tragen
Aber selbst, wenn ich nichts anhätte
Ich wette, ich hätte dich dazu gebracht mich anzuschauen.

Ich lasse dich doppelt hinsehen, sobald ich vorbei gehe, wirst du hinter mir herschauen
Ruf deinen Chiropraktiker an, nur für den Fall, dass dein Genick bricht
Ooh, sag mir, was du machen würdest?
Ich bin im Begriff eine Szene zu machen
Lege eine neue Schicht Sonnencreme nach
Ich bin dabei, die Hitze in mir aufzudrehen, ich werde deine Brille beschlagen lassen
Ooh, sag mir, was du machen würdest?

Wenn ich meinen Walk mache
Ich kann dir garantieren, dass deine Kinnlade runterfallen wird,
denn alle die mir nachschauen machen sich nicht viel, aus dem was ich trage
Ladies, ihr müsst, meine Vibes in euch spüren, das ist euer Bop (Lied, das beim Zuhören gute Laune macht)

Ich könnte meine Gucci tragen
Ich könnte meine Louis Vuitton tragen
Aber selbst, wenn ich nichts anhätte
Ich wette, ich hätte dich zum Hinschauen gebracht

Ja, ich sehe gut aus in meinem Versace-Kleid (ich zieh es aus)
Aber ich bin heißer, wenn meine Haare am Morgen ein Chaos sind
Aber sogar mit meinem Kapuzenpulli:
Ich wette, ich hätte dich dazu gebracht mich anzuschauen.

Und wenn du einmal auf den Geschmack kommst (mit diesem Selbstbewusstsein aufzutreten), wirst du nie wieder derselbe / dieselbe sein.
Das ist nichts Gewöhnliches, das ist ein14 Karat Kuchen
Ooh, sag mir, was du machen würdest?

Wenn ich meinen Walk mache,
ich kann garantieren, dass deine Kinnlade runterfallen wird
Denn alle die mir nachschauen machen sich nicht viel aus dem, was ich trage.
Ladies, ihr müsst meine Vibes in euch spüren, das ist euer Bop.

Ich könnte meine Gucci tragen
Ich könnte meine Louis Vuitton tragen
Aber selbst, wenn ich nichts anhätte
Ich wette, ich hätte dich dazu gebracht mich anzuschauen!

(Text- und Komposition: Sean Douglas, Meghan Trainor, Federico Vindver)

Im Dezember 2022 veröffentlichte Meghan Trainor passend zur Weihnachtszeit ein sehr schönes A Cappella Video. Ganz kurz, gegen Ende des Videos, ist Meghan Trainor mit ihrem kleinen Sohn und Ehemann zu sehen.

Rolf-Michael Hilkenbach / Dezember 2022

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