
Colmar von der Goltz (auch Goltz-Pascha) wurde am 12. August 1843 geboren und starb am 19. April 1916 in Bagdad. Er war ein preußischer Generalfeldmarshall, Militärhistoriker und Schriftsteller. Im Jahr 1909 hätte er sogar Reichskanzler werden können. Er wurde für dieses Amt vorgeschlagen als Alternative zu Theobald von Bethmann-Hollweg. Kaiser Wilhelm II. wollte jedoch das Colmar von der Goltz weiterhin für die Militärmission im Osmanischen Reich (Türkei) zur Verfügung stand. Die deutsche Militärmission im Osmanischen Reich war Teil der Bemühungen des Deutschen Kaiserreichs, seinen Einfluss im Nahen Osten auszubauen.

Zu dieser Zeit suchte das Osmanische Reich nach Wegen seine militärische Schlagkraft zu erhöhen, um dem zunehmenden Druck europäischer Mächte zu begegnen. Bereits in den Jahren 1843-1895 war Colmar von der Goltz als Militärberater im Osmanischen Reich tätig. Er reorganisierte die osmanische Armee nach deutschem Vorbild und erwarb sich großes Vertrauen bei Sultan Abdul Hamid II. und hohen osmanischen Regierungsmitgliedern. Durch seine Tätigkeit als Militärreformer konnte er der deutschen Rüstungsindustrie zu einer Monopolstellung im Osmanischen Reich verhelfen. Die enge Zusammenarbeit mit der deutschen Rüstungsindustrie führte zu einer Modernisierung der osmanischen Armee, machte das Reich aber auch wirtschaftlich und politisch von Deutschland abhängig.
Zu Beginn des Ersten Weltkrieges wurde er erneut als Militärberater des Sultans in das Osmanische Reich entsendet. Im Oktober 1915 bekam der mittlerweile über Siebzigjährige den Oberbefehl über die 6. Osmanische Armee. Am 29. April 1916 gelang ihm mit der 6. Armee, nach monatelanger Belagerung, ein großer Sieg über die bei Kut al Amara eingeschlossenen britischen Truppen. Dieser Sieg beförderte noch einmal sein hohes Ansehen in Deutschland und im Osmanischen Reich.

Colmar von der Goltz und weitere deutsche Offiziere sollen eine maßgebliche Mitschuld tragen, an der osmanischen Vernichtungsaktion gegen das armenische Volk. Die deutsche Mitwirkung und Beteiligung am Massenmord der Armenier ist bis heute nicht wirklich geklärt. Eine bedeutende Geschichte aus dem Ersten Weltkrieg ist somit bis in die Gegenwart nicht beendet. Die mangelnde Aufarbeitung deutscher Mitverantwortung wirkt sich bis heute auf die Erinnerungskultur und das Verhältnis zu Armenien aus.
Colmar von der Goltz wirkte mit, an der Deportationslogistik zur gewaltsamen Umsiedlung der Armenier. Später vertuschte er die Vernichtung der Armenier vor der deutschen Öffentlichkeit durch eine verharmlosende publizistische Tätigkeit und ermöglichte so der osmanischen Regierung ein ungehindertes Fortführen der Vernichtungsaktion. Die deutsche Politik schaute nur zu gerne weg. Von Reichskanzler Bethmann-Hollweg ist folgendes Zitat überliefert: „Unser einziges Ziel ist, die Türkei bis zum Ende des Krieges an unserer Seite zu halten, gleichgültig ob darüber die Armenier zu Grunde gehen oder nicht“.
Im April 2014 hatte der türkische Regierungschef Recep Erdogan als erstes Mitglied einer türkischen Regierung den Armeniern für das ihnen zugefügte Unrecht während des Ersten Weltkrieges sein Beileid ausgesprochen. Er möchte durch die Einsetzung einer unabhängigen Historikerkommission die Aufarbeitung der schrecklichen Ereignisse von 1915 unterstützen. Das Forschungsprojekt soll zur Versöhnung zwischen der Türkei und dem armenischen Volk beitragen.
Eines der größten Verbrechen aus dem Ersten Weltkrieg ist der Völkermord an den Armeniern im damaligen Osmanischen Reich (heutige Türkei). Die Armenier sind Christen und wurden während des Krieges der Kollaboration mit den Russen verdächtigt. Schon vor dem Krieg gab es heftige Kontroversen zwischen den islamischen Osmanen und den christlichen Armeniern. Im Krieg eskalierte der Konflikt. Das Osmanische Reich war mit den Mittelmächten Deutschland und Österreich-Ungarn verbündet. Auch auf Betreiben von Kaiser Wilhelm II. rief der osmanische Sultan Abdul Hamid II. zum Heiligen Krieg (Dschihad) auf. Politisches Ziel war – aus deutscher Sicht – das Schüren von Aufständen der islamischen Bevölkerung in den Kolonien des Britischen Empire, speziell in Ägypten, Indien und Pakistan. Im Osmanischen Reich wurde der Dschihad als Legitimation gesehen, um endlich gegen die Armenier vorgehen zu können. Die Armenier wurden so zum „Freiwild“ brutaler Misshandlungen durch die türkische Bevölkerung und zum Verfolgungsopfer osmanischer Militäraktionen und osmanischer Behörden (Zwangsumsiedlung, Deportation). Ca. 1,5 Mill. Armenier sollen dabei ums Leben gekommen sein. Zwölf Staaten haben dieses Ereignis mittlerweile als Völkermord anerkannt.
„Unterwegs waren die hilflosen Menschen Freiwild für jedermann. Wer immer wollte, konnte sich an den armen, verängstigten Menschen bereichern, sie schikanieren oder töten. Sie wurden beraubt, gequält und erschlagen. Frauen und Kinder vergewaltigt oder als Sklaven geraubt. Ein Telegramm an fragende Beamte, was mit den Deportierten geschehen soll, gibt als Antwort: „Das Ziel der Deportationen ist das Nichts.“ Ein Ziel zur Neuansiedlung war nie vorgesehen.
Neben Erschießungen und Hinrichtungen traten Hunger, Durst und Seuchen. Wer die Todesmärsche dennoch überlebte, wurde am Ende in die mesopotamische Wüste getrieben. Dort ließ man sie so lange im Kreis herumwandern, bis etwa eine Million von ihnen den Tod fanden. (…) Beamte und Soldaten, die sich dem Vernichtungsbefehl widersetzten, wurden entlassen oder getötet, Zivilisten, die Armenier versteckten, hängte man oft an Ort und Stelle auf.“ (Textquelle: HKM, http://www.verfolgte-christen.org/fileadmin/user_upload/)
Rolf-Michael Hilkenbach / August 2014 / Überarbeitet Oktober 2025

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